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Allresist GmbH

Unterwegs mit Vision und Innovation

Das Unternehmen

Allresist ist unabhängiger und eigenständiger Resisthersteller für die Mikroelektronik in Strausberg. Seit 1992 auf dem Markt entwickelt, produziert und vertreibt das inhabergeführte Unternehmen lichtempfindliche Lacke (Photo- und E-Beam Resists) für die Herstellung elektronischer Bauteile. Neben der Standardproduktpalette bietet Allresist zusätzlich kundenspezifische prozessangepasste Resists an. Diese werden in enger Kooperation mit den Kunden entsprechend ihrer Wünsche entwickelt. Die Hauptkunden sind überwiegend mittelständige Schaltkreis- und Chiphersteller aus unterschiedlichen Branchen der Mikroelektronik, Optoelektronik und Mikrosystemtechnik. Mithilfe eines hochentwickelten Qualitäts- und Umweltmanagementsystems (DIN EN ISO 9001, 14001) ist Allresist ein nach dem EFQM-Modell erfolgreich agierendes mitarbeiter- und kundenorientiertes Unternehmen der Excellence. Mit Benchmarks und Bewerbungen um Wirtschafts- und Wissenschaftspreise hat sich Allresist stringent und systematisch weiterentwickel

Ausgangssituation und Ziele

Die ständige Entwicklung neuer, kundenspezifischer Resists mit ultrakurzen Lieferzeiten stellt eine hochwissensintensive Arbeit in einem Markt mit starker Innovationsdynamik dar. Die hohe Kundenorientierung erfordert nicht nur beste Beratungskompetenzen durch die Mitarbeiter, sondern auch eine optimale Organisation des Wissens. Eine besondere Rolle spielt hierbei das Erfahrungswissen, das die Mitarbeiter von Allresist sich über die Jahre der Entwicklung neuer Resists aufgebaut haben. Das ausgesprochene Ziel von Allresist ist eine ganzheitliche Exzellenz. Um diese permanent zu steuern und zu überprüfen, setzt das Kleinunternehmen eine Vielzahl von Instrumenten ein. Dazu gehören neben dem Benchmarkmodell der European Foundation of Quality Management (EFQM) die Durchführung einer Wissensbilanz und die Zertifizierung nach DIN EN ISO 9001 und 14001. Durch die Kombination der Instrumente verfügt Allresist über ausreichend Managementinstrumente, um alle wichtigen Potentiale aufzudecken und zu nutzen.

Was konkret geschieht

Unternehmensentwicklung: systematisch, strategisch und konsequent

Wenn es um die gezielte Unternehmenssteuerung geht, sind Kennzahlen nach wie vor eines der wirkungsvollsten Instrumente. Mit dem Ziel vor Augen, diese für das eigene Unternehmen zu definieren, stellten die Geschäftsführer 2009 fest, dass eine der wichtigsten Voraussetzungen dazu eine klar definierte Vision der Organisation ist: Was macht uns aus? Wofür wollen wir stehen? Was möchten wir erreichen? Um diese Fragen noch klarer beantworten zu können, schafften sie sich zunächst ein Bild des eigenen Unternehmens – und der Konkurrenz: Mithilfe einer Markt- und Wettbewerbsanalyse und einer Stärken- und Schwächenanalyse (SWOT) wurden die Kernkompetenzen von Allresist herausgearbeitet und von den Kompetenzen der Wettbewerber abgegrenzt. Die Ergebnisse dieser Analysen nutzen sie im nächsten Schritt, um sie im Führungskreis zu diskutieren und neue Ideen einer Vision zu entwickeln. Unter Einbezug aller Mitarbeiter wurde so aus diesen ersten Ideen ein vollständiges Leitbild entwickelt, mit dem sich alle identifizieren konnten. Doch damit nicht genug. Um sich noch spezifischer mit dem eigenen Geschäftsmodell auseinanderzusetzen und damit die eigene Organisation besser steuern zu können, führte Allresist eine Wissensbilanz durch, um sie später mit der Balanced Scorecard zu ergänzen. Das Ergebnis: vier zentrale Perspektiven von Allresist (Finanzen, Prozesse, Kunden und Mitarbeiter & Entwicklung) in denen sich die aus dem Leitbild abgeleiteten Teilziele verteilen. Diese wurden wiederum mit Kennzahlen untersetzt, sodass ein differenziertes Kennzahlensystem entstand, das sich weitestgehend mit der bereits bestehenden Prozesslandkarte deckte. Um die Vielzahl der verwendeten Instrumente und Ergebnisse wieder zusammenzuführen, fügte Allresist diese in einen zentralen Regelkreis, der die Geschäftsführung darin unterstützt, Ergebnisse zu überwachen und damit das Unternehmen zu steuern. Zusätzlich wurden 2010 jährlich eine Unternehmensbewertung nach TEMP (mit den Säulen Teamchef, Erwartungen der Kunden, Mitarbeiter und Prozesse) und eine Leistungsbewertung der Mitarbeiter nach ABC eingeführt (beide Bewertungen sind von Professor Knoblauch des Unternehmens Tempus.GmbH entwickelt worden.) Aus diesen Bewertungen wurden neue Ziele zur Fortentwicklung aufgestellt. Die konsequente Umsetzung der Analyseergebnisse und die starke Systematik zeichnen das Vorgehen ganz besonders aus.

Wissen teilen und konsequent weiterentwickeln

Allresist ist in einer Marktnische erfolgreich, die durch wissensintensive und hochspezialisierte Produkte gekennzeichnet ist. Der hohe Spezifizierungsgrad der wenigen, aber hochqualifizierten Fachkräfte bei Allresist kann zu einer wahren Herausforderung werden – nämlich dann, wenn wichtige Wissensträger kurz- oder langfristig nicht verfügbar sind, zum Beispiel aufgrund von Urlaub, Krankheit oder Schwangerschaft, aber auch aufgrund einer Kündigung. Produktionsprozesse könnten ins Stocken geraten oder kundenspezifische Sonderentwicklungen müssten von vorne begonnen werden. Aber auch zusätzlich geforderte Manpower bei Auftragsspitzen ist bei wenigen Mitarbeitern schwer aufzufangen.

Diesen Schwierigkeiten hat sich Allresist längt angenommen und praktikable Lösungen entwickelt – durch systematische Weiterbildung, Information und Kommunikatio

Stellvertreterregelungen

Bereits seit einem Jahrzehnt gibt es die umfangreichen Stellvertreterregelungen als zentrales Instrument bei Allresist. Zwei bis drei Mal jährlich schulen sich die Mitarbeiter aus Produktion, Auftragsannahme, Qualitätskontrolle, F&E und Sekretariat gegenseitig. Dabei geht es um alltägliche Arbeitsaufgaben, notwendiges Fachwissen, aktuelle Projekte und offene Fragen. Für die Organisation und Durchführung der Schulungen sind die Mitarbeiter selbst verantwortlich. Die Gegenleistung: Eine 5%ige Arbeitsplatzzulage. Durch die Schulungen sind die Mitarbeiter in der Lage, ihre Kollegen bei deren Ausfall qualifiziert zu vertreten, sodass die Kernprozesse ohne Fehler weiterlaufen können.

Beispiel für eine integrierte Umstrukturierung zum Nutzen aller: Infolge von Rationalisierungsmaßnahmen im Bereich Testung wurden zwei Testungs-mitarbeiterinnen täglich für je 1-2 Stunden und wöchentlich für einen Tag frei. Unterdessen hatte sich der Aufwand in Produktion und Vertrieb infolge der stetigen Umsatzsteigerungen erhöht. Seitdem unterstützt eine Testungsmitarbeiterin stundenweise die Produktion z.B. im Versand, während sich die andere Mitarbeiterin auf Vertriebs- und Büroaufgaben spezialisiert hat. Die Kommunikation und Information erfolgt mündlich morgens sowie über Eintragungen im Wochenplan und in unseren täglichen Frühstücksgesprächen. Zur zusätzlichen Unterstützung bei Aufgaben, die nicht in der täglichen Routine sind, hat Allresist die Prozesse und Schnittstellen in Viflow (einer Geschäftsprozessmanagementsoftware zur grafischen Abbildung und Verbesserung von Abläufen in Unternehmen) mit den Dokumenten des QUMS (Arbeitsanweisungen) verlinkt. Das gestattet jedem Mitarbeiter zu jedem Zeitpunkt einen raschen Zugang zu allen betrieblichen Abläufen - auch im Detail.

Die Stellvertreterregelung war ursprünglich nur für den Urlaubs- und Krankheitsfall gedacht. Mittlerweile wurde sie zu einer sehr guten Möglichkeit, andere Bereiche bei Auftragsspitzen zu entlasten. Ihr Nutzen liegt jedoch nicht nur in der gezielten Verlagerung von Manpower, sondern auch in der hervorragenden Kommunikation und Information, die ein schönes Arbeitsklima mit etwa gleicher Arbeitsauslastung bewirken. Infolge neuer Blickwinkel gibt es viele wertvolle Anregungen und Verbesserungsvorschläge, die dem Unternehmen sehr nützten (2015: 33 Verbesserungsvorschläge, ca. 7,5 T€ Nutzen und ca. 50 h Arbeitszeitersparnis).

Über die Jahre wurden nur wenige, rasch korrigierbare Fehler festgestellt, die jedes Quartal im Qualitätszirkel offen besprochen und ausgewertet wurden. Es wird durchs Management hervorgehoben, dass Menschen nun mal Fehler unterlaufen, und es für die Zukunft nur wichtig ist, diese zu vermeiden. Damit entstand eine offene Fehlerkultur, bei der alle daran interessiert sind, aus den begangenen Fehlern zu lernen, Stolperstellen bereits im Vorfeld zu erkennen und darüber rasch zu informieren. Damit steht Fehlervermeidung an erster Stelle.

Information und Kommunikation

Wissen erwerben und teilen steht bei Allresist bereits seit zwei Jahrzehnten beim Vordergrund. Seit langem gibt es im Firmen-Intranet zur detaillierten Prozessabbildung in Viflow den Ordner Wissen, der stetig weiter wächst und folgende Kategorien enthält:

  • Resist-Wissen – detailliierte Produktinformationen, fortgeschriebenes Resist-WIKI, Resist-Schulungen für die umfangreiche Kundenberatung und zur systematischen Einarbeitung
  • Nachfolge – Weiterbildungen und Coachings und ein erarbeitetes Führungsleitbild
  • QUM – Neues zur neuen Norm, Schulungen z.B. zum internen Auditor
  • CSB – Fortschritte und Ideen für Verbesserungen des ERP-Datensystems, z.B. die Integration der FIBU und die Entwicklung eines Produktionsplanungstools

Regelmäßige Informationsrunden, Qualitätszirkel und interne wie externe Weiterbildungen auf den verschiedensten Gebieten sichern die gegenseitige Information und Weiterentwicklung, wie z.B.:

  • Wöchentliche Arbeitsbesprechungen zum Thema Stand der int. FuE und CRM-Aktivitäten
  • Monatliche Lenkungskreis-Runden zu allen aktuell brennenden Themen und Stand der Qualitätszielerfüllung
  • Quartalsrückblicke – Unternehmensergebnisse aus der Balanced Scoreard und Stand der Qualitätsziele fürs ganze Team
  • Qualitätszirkel – Team-Besprechung über Verbesserungen und Probleme/Fehler
  • Resistschulungen – allgemein fürs Team sowie detaillierter für die Wissenschaftler und Kundenberater (quartalsweise)
  • Marketingbesprechungen – für die Kundenberater und den Bereich Marketing (quartalsweise)
  • Führungskräfteschulungen/-Coachings – für bestehende sowie künftige Führungskräfte (Nachfolge) mit einem externen erfahrenen Coach (entsprechend Zielstellung und Bedarf)
  • Externe FIBU-, CSB- und Englisch-Weiterbildungen je nach Bedarf

Zur Vorausplanung der individuellen Aufgaben und Termine sowie zum Überblick für alle anderen dient der Wochenjahresplan. In ihm ist pro Woche ein Excelblatt für alle Mitarbeiter eingerichtet der bis zu 12 Monate im Voraus Planungen ermöglicht. Hier sind auch die regelmäßigen Besprechungstermine (s.o.), die Messetermine und der Urlaub eingetragen. Damit ist der Wochenplan ein gegenseitiges Informations- und Kommunikationsinstrument. Ein weiteres Plus: Wenn kurzfristige Handwerkertermine anstehen bzw. man seinen Urlaub um einige Tage verschieben möchte, kann man dies problemlos untereinander absprechen und regeln.

Um den Aufwand besonders für regelmäßig wiederkehrende Termineintragungen zu verringern, wird aktuell die Überführung des Wochenplans in Outlook getestet.

Nutzen und Ausblick

Allresist organisiert sein Wissen exzellent. Die strategische Unternehmenssteuerung wurde nicht nur mithilfe verschiedenster Instrumente der Unternehmensanalyse systematisch aufgebaut, sondern wird vor allem konsequent umgesetzt. Die umfassende Weiterentwicklung der Mitarbeiterkompetenz in Form von Weiterbildungsmaßnahmen oder Stellvertreterregelungen ermöglicht Allresist eine nachhaltige Wissensentwicklung, die in einer hochspezialisierten und dynamischen Branche wie der Mikroelektronik unerlässlich ist.

 

 

 

 

|| Keyfacts

Firmensitz: Strausberg

Mitarbeiter: 12

Branche: Chemische Industrie

Internet: // www.allresist.de

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