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KSM Castings Group GmbH

Innovationen planvoll vorantreiben

Das Unternehmen

Die KSM Castings Group, 2005 hervorgegangen aus der ThyssenKrupp Fahrzeugguss GmbH, ist Entwicklungspartner und Produzent von Leichtmetallgussprodukten für die Automobilindustrie. Mit knapp 3000 Mitarbeitern weltweit (2015) fertigen sie Gussteile aus Aluminium und Magnesium in den Gießverfahren Druckguss, Kokillenguss, Niederdrucksandguss sowie in eigens entwickelten Verfahren für die Bereiche Chassis, Powertrain, Lenkung und Pedalerie. Durch modernste Bearbeitungsmethoden wird KSM Castings den Forderungen ihrer Kunden nach ständig wachsender Fertigungstiefe gerecht. Die Entwicklung der Bauteile als auch kompletter Funktionalsysteme erfolgt in Kooperation mit und für den Kunden sowie mit Partnern aus Industrie und Forschung.

Ziel des Unternehmens ist vor allem die hohe Zufriedenheit der Kunden und die Sicherung der Standorte – primär in Deutschland. Global ist KSM neben fünf Standorten in Europa durch die Inbetriebnahme eines Werks in den USA und einer zweiten Produktionsstätte in China im Jahr 2014 bestens aufgestellt.

Ausgangssituation und Ziele

Einer der wichtigsten Ansprüche von KSM ist die Erhaltung und der Ausbau der Technologieführerschaft auf dem Gebiet der Entwicklung und Produktion von Leichtmetallbauteilen für die Automobilindustrie. Hierzu ist ein Innovationsmanagement, das alle Werke und Abteilungen umfasst und damit eines großen Aufwands an Koordination und Kommunikation bedarf, absolut notwendig. Vor diesem Hintergrund hat KSM ein Wissensmanagementkonzept entwickelt, das allen Anforderungen gerecht wird und dabei bestehende Strukturen mit neuen Ideen kombiniert, um maximale Akzeptanz zu erreichen. Die KSM-Unternehmenskultur fördert und fordert eine starke Verzahnung der einzelnen Unternehmensbereiche. Dabei wird auf bestehendes und entstehendes Know How von Kunden, Lieferanten und Partnern zurückgegriffen, um die Zeiten von der Idee zur Umsetzung zu minimieren.

Was konkret geschieht

Erarbeitung und Umsetzung eines Wissensmanagement-Konzepts

Mit der Erarbeitung eines umfassenden Wissensmanagementkonzepts verfolgte KSM das Ziel, die eigenen Wissensflüsse zu optimieren – und zwar sowohl von außen in das Unternehmen, als auch intern zwischen den Abteilungen und Werken.

Die Konzeptionierung erfolgte, in Verantwortung des internen Innovations-managements, im Rahmen des Projektes „Wissenswerkstatt“, einem vom BMWT geförderten Benchlearning-Projekt. Das Ergebnis: Ein Konzept, das bereits implementierte Strukturen mit dem Einsatz neuer Instrumente vereint. Schematisch werden die für KSM relevanten Wissensquellen und die ausgearbeiteten Maßnahmen der Wissensspeicherung dargestellt.

Zur Umsetzung holte sich das Team Innovationsmanagement Unterstützung durch ein zweites Benchlearning-Projekt. Nach Durchführung einiger Schulungsmaßnahmen für die neuen Instrumente, wie die Technologieteams und den Expertenkreis zeigte sich schnell der größte Benefit des Konzepts: Es lässt sich an verändernde Rahmenbedingungen problemlos anpassen. So können neue Themen auf dem Markt beispielsweise durch eine Erweiterung des Themenspektrums des Expertenkreises abgebildet werden können. Das Wissensmanagement-Konzept vernetzt mittlerweile alle Abteilungen und Standorte miteinander.

Abb. 1: Schema des Wissensmanagement-Konzepts bei KSM

1. Online Docs

Eine Maßnahme, die in dem Wissensmanagement-Konzept Bedeutung findet, sind die OnlineDocs. Die Strukturen existierten bereits vor der Konzeptionierung. Allerdings hat sich die Anzahl der teilnehmenden Mitarbeiter mit Einführung des Konzepts von einigen wenigen Mitarbeitern der Entwicklungsabteilungen auf alle Unternehmensbereiche ausgeweitet. Ziel der OnlineDocs ist das Wegkommen von privaten Ordnerstrukturen oder Dokumenten in Papierform hin zu einer zentralen Datenbank (Intranet) mit der Möglichkeit, Dokumente für viele verfügbar zu machen. Dabei geht es um unterschiedlichste Dokumente, wie beispielsweise Forschungsberichte, Fachzeitschriftartikel, Patent- und Offenlegungsschriften, Unterlagen aus Konferenzen und Seminaren etc. Besonders interessant ist die Integration von Lessons learned und Best Practices.

Heute nutzen nahezu alle Mitarbeiter mit Zugriff auf das Intranet die OnlineDocs. Eine integrierte Volltextsuche, mit deren Hilfe auch eingescannte Artikel in maschinenlesbare PDFs umgewandelt und durchsucht werden können, erleichtert die Bedienung. So umfasst das Intranet mittlerweile über 7300 Dokumente.

Besonders ist die durchdachte Qualitätssicherung der eingestellten Dokumente, denn KSM vergibt konsequent Nutzungsrechte an die Mitarbeiter - von Leseberechtigung bis Vollzugriff. Die Einstellung von Artikeln erfolgt dann je nach Berechtigung durch die Mitarbeiter selbst oder durch Ablage in einem Sammelordner. Die hier abgelegten Beiträge werden überprüft, ggf. konvertiert und eingestellt.

2. Technologieteams

Auch die Technologieteams mit dem Ziel des Erfahrungsaustauschs und Technologietransfers zwischen den Produktionsabteilungen verschiedener Werke existierten bereits vor der Implementierung des neuen Konzeptes. Allerdings zeigt sich ein deutlicher Unterschied in der Effektivität des Instruments vor und nach der Konzeptionierung: Während die Treffen der Technologieteams zunächst sehr unregelmäßig, in manchen Teams sogar gar nicht, abgehalten wurden, hat sich die Teilnahmebereitschaft bis heute deutlich erhöht. Wie kommt das? Die gesteigerte Effizienz der Technologieteams ist besonders auf deren strategische Steuerung durch die Geschäftsführung zurückzuführen. Die Generierung konkreter Ergebnisse und erster Erfolge wirkte sich letztlich positiv auf die Akzeptanz der Methode und letztendlich auf die Bereitschaft der Mitarbeiter zur Teilnahme aus.

Die erfolgreiche Übernahme von Technologien und Methoden aus anderen Werken ist ein vielversprechender Indikator für den Nutzen dieses Instruments zum Wissenstransfer – denn das Rad soll schließlich nicht mehrfach erfunden werden! Auch die Initiierung und Koordination von Tests zu relevanten neuen Technologien sind messbare Erfolgsgrößen. Zur Erfolgskontrolle sind außerdem jährliche Reportings der Technologieteams an die Geschäftsführung Pflicht.

3. Expertenkreis

Ausgangslage der Implementierung von Expertenkreisen ist ein weit verbreitetes Dilemma: Die Entwicklungsmitarbeiter interessieren sich für ganz bestimmte Themen, können aber nicht immer an diesen arbeiten, weil sie oftmals kunden- und nicht themengebunden arbeiten. Das Potential dieses fachspezifischen Interesses der Mitarbeiter hat KSM für sich erkannt. Deshalb benennt das Unternehmen solche Mitarbeiter als Experten für ihr jeweiliges Interessengebiet. Sie fungieren als zentrale Ansprechpartner für relevante Technologien und Prozesse und können so beispielsweise von den Technologieteams als Quelle für Fachwissen hinzugezogen werden. Die Expertenrolle ist in den persönlichen Zielen der Mitarbeiter verankert. Sie umfasst die Verpflichtung, im entsprechenden Thema auf dem aktuellen Stand zu bleiben, z.B. mithilfe von Fachliteratur, Konferenzen und Seminaren, Patentrecherchen oder Werksbesuchen. Die Rolle wird ihnen von den Entwicklungsleitern zugewiesen. Entsprechend werden die Führungskräfte jedoch auch angehalten, den Experten ausreichend Freiraum für Recherchen, externe Kontakte etc. einzuräumen. Besonders erstaunlich ist, wie viel Aufwand KSM betreibt, um trotz weltweiter Verteilung auch Präsenstreffen unter den Experten möglich zu machen. Die Maßnahme verfolgt auch das Ziel, die Eigeninitiative der Mitarbeiter hinsichtlich ihres Weiterbildungsbedarfs zu fördern.

Implementierung eines innovativen Patentmanagements

Um einer reinen Verwaltungsorganisation entgegen zu wirken und vielmehr durch entsprechende Attraktivität und Nutzerfreundlichkeit die Innovationsbereitschaft der Mitarbeiter zu fördern, implementierte KSM ein innovatives Patentmanagement.

Die Idee: Durch monetäre Anreize die Motivation der Mitarbeiter hinsichtlich neuen Ideen und Innovationen fördern. Im Fokus dieser Idee stand also die Entwicklung eines effektiven Vergütungssystems. Die Herausforderung eines Automobilzulieferers wie KSM besteht in der Verzögerung, mit der wirtschaftliche Erfolge aufgrund der indirekten Markteinführung eintreten. Dies betrifft Patentanmeldungen zu Bauteilen, (Gieß-)Verfahren und neuen Materialien. Eine Erfindervergütung nach Umsatz ist für die Mitarbeiter aufgrund der hohen Zeitverzögerung deshalb unattraktiv und eher demotivierend. KSM hat vor diesem Hintergrund ein pauschales Vergütungssystem erarbeitet, mithilfe dessen die Erfinder unmittelbar nach der Erfindungsmeldung vergütet werden können. Damit wurde eine klassische Win-Win-Situation geschaffen: Für den Arbeitnehmer ist dieser Vergütungsansatz wirtschaftlich deutlich besser, für den Arbeitgeber bedeutet er einen geringeren Verwaltungsaufwand.

Neben der Entwicklung des neuen Vergütungssystems galt es auch, das bestehende Patentmanagement zu analysieren und aus den Bewertungen weitere Hebel für die Weiterentwicklung eines innovativen Patentmanagements zu identifizieren. Das Ergebnis: Das Dokumentenmanagement stellte sich als Kostentreiber Nummer eins heraus. So ergab sich der Wunsch nach einer papierlosen Patentverwaltung und der Einrichtung einer digitalen Ablagestruktur, um Suchzeiten der Mitarbeiter zu minimieren. KSM ging den folgerichtigen Schritt und investierte in eine innovative Patentsoftware. Die neue Software verwaltet nicht nur Dokumente, sie wird daneben auch zur Wettbewerbs- und Marktüberwachung genutzt. Relevante Ergebnisse können direkt über die Software an den Expertenkreis geschickt werden. Das Wissen aus der Patentsoftware wird in Projektentscheidungen mit einbezogen und hilft bei der Identifikation von Tren

Nutzen und Ausblick

Die Besonderheit im Umgang mit Wissen liegt bei KSM in der Betrachtung von Wissensmanagement als Teil des Innovationsmanagement. Nur durch ein effizientes Wissensmanagement ist die Durchführung und Nutzung eines Innovationsmanagements, das alle Abteilungen und Standorte integriert, möglich. Der Ausbau der Technologieführerschaft in Verbindung mit höchster Kundenzufriedenheit bleibt dabei oberstes Ziel der KSM Castings Group.

|| Keyfacts
Firmensitz:
Hildesheim
Branche:
Leichtmetall
Produkte:
Leichtmetallgussprodukte für die Automobilindustrie
Gegründet:
2005
Mitarbeiter:
(2015) 2.572
Internet:
www.ksmcastings.com
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